Unser Abenteuer beginnt
Unser Abenteuer, ein Jahr lang in Rom zu leben und zu studieren, beginnt. Zunächst einmal mit der Hinfahrt.

Unser Abenteuer, ein Jahr lang in Rom zu leben und zu studieren, beginnt. Zunächst einmal mit der Hinfahrt. Die letzten Tage waren geprägt vom Packen. Claras Wohnung wird für die zehn Monate untervermietet. Zwar möbliert, aber dennoch galt es, so ziemlich ihren gesamten Inhalt entweder in den Keller zu räumen, an Freund:innen und Familie zu verscherbeln oder auszusortieren. Am Ende verließen wir eine ultrasaubere Wohnung, die ich in ihrer ungewohnt leeren, „minimalistischen“ Erscheinung ausgesprochen charmant fand – Clara eher weniger. Wie aber nach dieser tagelangen Pack-, Verteil- und Entrümpelungsaktion noch so viele Dinge übrig geblieben sind, die mit nach Rom wollten, ist mir ein Rätsel.
Nach der schweren Entscheidung gegen die Schneidemaschine und andere ähnlich lebensnotwendige Gegenstände haben wir tatsächlich alles in jeweils vier Gepäckstücken der Größen S, M, L und XXL unterbekommen. Auch die Entscheidung für Zug und Bus und gegen das Flugzeug erwies sich damit einmal mehr als richtig, weil klimaschonender, günstiger und angesichts des Gewichts unserer beiden Koffer vermutlich auch alternativlos: ein Flugzeug hätten sie zuverlässig am Boden gehalten. Ganz abgesehen vom Roadtrip-Charakter, den eine anderthalbtägige Anreise unweigerlich bekommt und der einfach Spaß macht.
Der erste (und einzige) Zwischenstopp war München, wo wir am Nachmittag nach einer entspannten ICE-Fahrt mit großzügigen Pausen zur Betrachtung der lokalen Vegetation ankamen. Der Halt in München diente dem Besuch von Serena und Matthias Gyger, dem Münchner Verwandtschaftszweig von Clara. Der Besuch dehnte sich spontan auf elf Stunden aus, nachdem sich auch für unseren Flixbus 160 Minuten Verspätung ankündigten. Das war alles andere als tragisch, denn mit Serena verfliegt die Zeit ohnehin wie im Nu. Sie verwöhnte uns mit einem Rundum-sorglos-Paket aus guten Gesprächen, Käsekuchen, indischem Abendessen und einer nächtlichen Fahrt zum Busbahnhof. Matthias stieß aufgrund von Zugverspätungen erst nach 23 Uhr zu uns, aber dank unserer eigenen Verspätung konnten wir uns dennoch sehen – manchmal passt es einfach. Die Gygers sind herzensgute Menschen mit exzellentem Humor und der wunderbaren Eigenschaft, stundenlang erzählen zu können, ohne dass es je uninteressant wird. Erinnerung an mich selbst: Nach dem Rom-Jahr mal ein Treffen zwischen den Gygers und meinen Eltern arrangieren.
Nach einem zweistündigen Powernap machten wir uns schließlich auf den Weg zum Busbahnhof. Dort ereilte uns der herbe Verlust sämtlicher Rollen meines Koffers. Dass durch das schiere Gewicht des Koffers offenbar so viel Reibung entstehen kann, dass seine Rollen glühend heiß von der Achse schmelzen, stimmt perfekt auf den Bildungseffekt dieser Reise ein. Heute schonmal im Bereich Tribologie. Es folgte das kurzweilige Gesellschaftsspiel „Wir tragen den Koffer drei Meter und machen dann Pause“. Wider Erwarten haben wir es damit tatsächlich bis zum Bus geschafft. In Rom werden wir uns wohl ein Taxi nehmen müssen…